Vortrag von Dr. Ekkehard Gühne am 9. 12.10
„Die Elsbergs – Schicksale einer Warendorfer jüdischen Familie vor dem Hintergrund der Schoah“
von Dr. Ekkehard Gühne
 

„Die Elsbergs – Schicksale einer Warendorfer jüdischen Familie vor dem Hintergrund der Schoah“. Der Viehhändler Moses Elsberg (1824-1900) sowie der Kaufmann Leeser Elsberg (1837-1921) stammen beide aus Oelde und kamen 1864 bzw. 1873 mit ihren Familien nach Warendorf. Viele ihrer Kinder und Enkel wurden hier heimisch, ehe die Herrschaft der Nationalsozialisten eine gewachsene Gemeinschaft brutal beendete. Einige Familienmitglieder wurden ermordet, andere konnten sich durch Auswanderung retten. Ihren sehr unterschiedlichen Schicksalen geht der Vortrag nach und berücksichtigt dabei besonders den Rechtsanwalt Dr. Karl Elsberg (1904-2001), der in Belgien, Frankreich und Italien in Lagern oder im Untergrund überlebte und vor seiner Auswanderung in die USA (1946) darüber umfangreiche Aufzeichnungen machte.

  

Über das Judentum in Deutschland, insbesondere aber über seine versuchte Ausrottung durch die Nationalsozialisten ist, allgemein gesehen, alles gesagt. Aber eben nur allgemein, denn ganz anders erscheint das Thema, wenn wir es auf die Erde zurückholen, z. B. nach Warendorf, wenn sich Namen mit Erinnerungen, Häusern und Straßen verbinden. Dies geschah am Donnerstag im Saale der Gaststätte Porten Leve, als erfreulich viele Interessierte einer Einladung des Heimatvereins gefolgt waren. Dr. Ekkehard Gühne sprach über das Thema: „Die Elsbergs – Schicksale einer Warendorfer jüdischen Familie vor dem Hintergrund der Schoah“.

 
Es waren eigentlich zwei Familien, die 1864 bzw. 1873 von Westkirchen bzw. Beelen nach Warendorf kamen: Moses Elsberg (1824-1900) und Leeser Elsberg (1837-1921), Kaufmann bzw. Viehhändler. Kurz streifte der Vortrag die Lebenswege ihrer insgesamt 13 Kinder, ehe er sich dem Zweige zuwandte, der sich mit dem Kaufhaus Elsberg verbindet, das manchen alten Warendorfern auch an diesem Abend noch präsent war. Einige „Elsbergs“ wurden ermordet, anderen gelang die Ausreise in die USA.

 
Besonderes Interesse fand hier der Rechtsanwalt Dr. Karl Elsberg (1904-2001), denn er überlebte nicht nur den Naziterror, sondern verfasste 1946, kurz vor seiner Auswanderung in die USA, über diese dunkle Zeit bislang noch weitgehend unbekannte Aufzeichnungen, aus denen unmittelbar das Erlebnis von Not und Verfolgung sprach.
Zusammen mit seiner Ehefrau Anneliese flieht er kurz vor Kriegsbeginn nach Belgien, wird nach dem deutschen Angriff (Mai 1940) interniert und in ein Lager in den Pyrenäen verbracht. Bis hier greift der Arm der deutschen Besatzung zunächst noch nicht. Dem Ehepaar werden zwei Kinder geboren, von denen eins bald verstirbt. Ende 1943, mittlerweile ist auch das übrige Frankreich von deutschen Truppen besetzt, gelingt die Flucht ins italienische Aosta-Tal. Auch unter dem Schutz italienischer Partisanen erlebt die Familie das Kriegsende.

 
Immer wieder nutzen Menschen die Not der Verfolgten aus, immer wieder gibt es aber auch Beispiele der Menschlichkeit, z. B. ein Stück Brot oder auch ein bewusstes Wegschauen. Und doch, für Karl Elsberg bleibt in diesen Jahren die größte Stütze seine Frau: „Was sie gelitten und geleistet hat, ist mehr als jede Leistung, die auf Seiten der Kämpfenden mit den höchsten Orden und Ehren ausgezeichnet wurde.“ So beschließt er seine Aufzeichnungen.
Es wurde ein eindrucksvoller Abend, der reichlich Gelegenheit bot, über Menschen und ihre Taten nachzudenken, zugleich aber ein nicht unwichtiger Beitrag zu einem wesentlichen Kapitel unserer Stadtgeschichte, das leider abgeschlossen ist. 

Das Josephs-Hospital - eine lange Erfolgsgeschichte mit ungewissem Ende
von Mechtild Wolff (5. 1. 2026)

Das Josephs-Hospital inmitten von Wohnhäusern 1843 Josephs-Hospital mit dem ersten Anbau 1846
 

  

Am 16. November 1843 wurde das „Josephs-Hospital“ unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und sein Stifter Franz Joseph Zumloh von den dankbaren Warendorfer Bürgern begeistert gefeiert. Nun begann eine neue Ära in dem kleinen Landstädtchen mit seinen 4.000 Einwohnern. 30 Kranke konnten in vier großen Zimmern mit je sechs Betten und fünf kleineren Zimmern stationär behandelt und gepflegt werden, dank des unermüdlichen Einsatzes der vom Gründer eingesetzten Clemensschwestern, die auch im Haus wohnen konnten. Die sechs Schwestern übernahmen die Pflege der Patienten, hielten das Krankenhaus in peinlicher Sauberkeit und Ordnung, machten die Wäsche, sorgten für gutes Essen aus eigener Küche und pflegten den Garten, wo Obst und Gemüse in Hülle und Fülle wuchs. Wie gut, dass Franz Joseph Zumloh noch miterleben konnte, dass sein Werk gedieh. Schon 1846 wurde das östlich gelegene Nachbarhaus gekauft und umgebaut. Jetzt konnten 65 Kranke gepflegt werden. Es ist überliefert, dass 1851, also drei Jahre vor dem Tod des Stifters, 328 von 431 Patienten geheilt werden konnten, in einer Zeit, als es noch kein Penizillin und nur ganz einfache OP-Möglichkeiten gab. Durch die großzügige finanzielle Ausstattung der Stiftung war es möglich, mittellosen Kranken eine kostenlose Behandlung zu gewähren. Die Anzahl der Patienten wuchs und wuchs, sodass schon 1867 der zweite Anbau nötig wurde. 90 Betten standen nun in geräumigen Zimmern zur Verfügung, die sogar eine Gaslampen-Beleuchtung hatten. Das Krankenhaus konnte einen zweiten Arzt einstellen, der ausschließlich für die Operationen zuständig war. Die Clemensschwestern richteten nun auch eine kleine Kapelle ein, in der jeden Morgen eine Hl. Messe gelesen wurde und wo die Kranken Trost und göttlichen Beistand fanden. Die Oberaufsicht hatte nach wie vor das Kuratorium.


Das Josephs-Hospital mit dem schönen Park (Photo Rosenstengel)

Zum 50jährigen Bestehen 1893 verkündete das Krankenhaus stolz, dass bislang schon 14.000 Patienten behandelt wurden. Die Zahl der Patienten wuchs, sodass 1902 eine erneute Erweiterung auf 120 Betten stattfand. In den Folgejahren bekam Warendorf eine zentrale Wasserversorgung und die Gaslampen wurden durch elektrisches Licht ersetzt. Nun konnte auch ein Röntgengerät angeschafft werden und seit 1911 gab es sogar ein Telefon – welch ein Fortschritt.


Das Josephs-Hospital füllte nun fast das ganze Quartier zwischen Lüningerstraße, Krückemühle und Hohe Straße aus. Es gab sogar eine eigene Leichenhalle. Im Innenhof befand sich nun eine von den Nonnen stets gepflegte Gartenanlage, wo die Patienten Erholung und Unterhaltung finden könnten.

Für den Anbau von Obst und Gemüse war an der Lüningerstraße allerdings kein Platz mehr, darum kaufte das Kuratorium des Josephs-Hospitals den Josephshof an der Sassenberger Straße 37. Er wurde von einem Ackerer bewirtschaftet. So wurde die Krankenhausküche immer mit frischem Obst und Gemüse und Blumen versorgt. Die Lage des Josephshofs hatten die Clemensschwestern klug gewählt. Er lag in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sophienstift, der vom Ehepaar Wiemann 1903 ererbten Villa, die den Clemensschwestern lange als Wohnsitz diente.

 
Das Josephs-Hospital 1916 - so hat es zuletzt ausgesehen - man kann das Gründungsgebäude mit der Eingangstür und die beiden ersten Anbauten gut erkennen

Die 1920er Jahre brachten gute und schlechte Ereignisse. Eine große Erleichterung war eine Zentralheizung, die 1922 eingebaut wurde. Bislang musste in jedem Krankenzimmer ein Ofen geheizt werden und mehr als ein Mann sorgte dafür, dass die Öfen nachgelegt und sauber gehalten wurden. Nun musste nur noch der Kessel mit Koks gefüttert werden und alte Warendorfer werden sich noch an Franz Vorderlandwehr erinnern, der seit Kriegsende der Heizer vom Dienst war und gerne den Kinderschreck spielte, wenn diese ihn durch das Kellerfenster wegen seines rußgeschwärzten Gesichts veräppeln wollten.

Die Weltwirtschaftskrise 1923 ging auch nicht spurlos an Warendorf vorbei. Das Josephs-Hospital geriet in finanzielle Schwierigkeiten, die Patienten konnten nur noch in Naturalien bezahlen und auch das Krankenhaus entlohnte sein Personal in Naturalien. Aber die Warendorfer Bürger und Unternehmer wollten ihr Krankenhaus auf keinen Fall gefährden und steuerten nach Kräften Geldmittel bei. Auch die Bauern aus Gröblingen, Velsen und Vohren brachten Naturalien und sicherten sich so die Aufnahme der Landbevölkerung in das Krankenhaus.

Im 2. Weltkrieg wurde das Hospital mit seinen religiös fundierten und mutigen Nonnen von großer Wichtigkeit. Schon in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 nahmen die Clemensschwestern alle verletzten Juden auf und die Warendorfer Ärzte behandelten sie. Von Dr. Gronover, dem HNO-Arzt, wird erzählt, dass er den Juden Hugo Spiegel und den Viehhändler Julius Ansbacher ärztlich versorgte und sogar eine Wache vor das Krankenzimmer stellte, damit die SA keine Rache üben konnte. Während des Krieges war das Josephs-Hospital für viele verletzte Soldaten ein heimatnaher Zufluchtsort. Mutig retteten die Schwestern so manchem Soldaten das Leben.


1950 - Das Kreiskrankenhaus an der Tönneburg


Nach dem Krieg war die Entwicklung rasant. Viele neue Abteilungen kamen hinzu, sodass zu den 28 Clemensschwestern noch 12 weltliche Krankenschwestern eingestellt werden mussten.
Die Einwohnerzahl der Stadt Warendorf war durch die Flüchtlinge auf 12.000 angewachsen, kein Wunder, dass das Krankenhaus aus allen Nähten platzte. Viele Kriegsverwundete und ausgemergelte Flüchtlinge ver
schärften die Lage. Nun war guter Rat teuer, denn in der Innenstadt war für eine Erweiterung kein Platz mehr. Als erste Notmaßnahme wurde an der Tönneburg in den Gebäuden der Remonte das sog. „Kreiskrankenhaus“ eingerichtet, das wegen seiner schönen Lage im Grünen bei den Patienten sehr beliebt war. Das konnte aber keine Dauerlösung sein, denn spätestens seit der Aufstellung der Bundeswehr wurden die Gebäude wieder für die Soldaten gebraucht.

Anfang der 1960er Jahre entschloss sich das Kuratorium, vor den Toren der Stadt ein ganz neues Krankenhaus zu bauen. Auf dem Gelände des Josephshofs gab es genug Platz und am 16. November 1968, pünktlich zum 125jährigen Bestehen des Josephs-Hospitals, konnte der Neubau, für den 20 Millionen Mark aufgewendet worden waren, bezogen werden. Nun standen 337 Betten zur Verfügung, ein moderner Behandlungstrakt mit mehreren OP-Sälen, eine Ambulanz mit Notfallversorgung und eine schöne, große Kapelle, in der regelmäßige Hl. Messen gefeiert wurden. Neben dem Krankenhaus wurde ein Heim für das Pflegepersonal gebaut, das so auch außerhalb der Dienstzeit für Notfälle schnell zur Verfügung stand. Für die Organisation des Hauses war der Rendant Paul Wemhoff verantwortlich, die ärztliche Leitung lag für die Chirurgie bei Dr. Wilhelm Weritz und für die Innere Medizin bei Dr. Karl Drerup und später bei Dr. Reinhard Kahlert. Die Warendorfer Fachärzte hatten Belegbetten in Krankenhaus, wie der Hausarzt Dr. Hermann Busse, der Augenarzt Dr. Dietrich Wesselmann, der HNO-Arzt Dr. Heinz Schürmeyer, der Frauenarzt Dr. Alfred Voß und Dr. Wolfgang Montag, der Urologe Dr. Eberhard Hallermann und Dr. Thomas Weritz, der Orthopäde Dr. Rainer Eselgrim und viele mehr.

Der Neubau hatte natürlich eine moderne Ölheizung bekommen, da wurde Franz Vorderlandwehr als Heizer nicht mehr gebraucht. Er wurde nun „Kalfaktor“, eine Aufgabe, die er mit Herzblut ausfüllte. Er schippte den Schnee, fegte die Treppen und Straßen und merkte sofort, wenn jemand sein Tempotaschentuch auf die Straße geworfen hatte. Nie hätte es bei ihm einen Grashalm in den Fugen oder Dreck in den Ecken gegeben. Das wurde anders, als er in Rente ging – die professionellen Firmen sehen das nicht so eng.

Das Haus wuchs und wuchs. Im Jahr 2000 hatte das Josephs-Hospital schon 440 Mitarbeiter und war damit der größte Arbeitgeber in Warendorf. Die moderne Medizin wurde immer perfekter, stellte aber auch immer höhere Ansprüche. Die Stiftung von Franz Joseph Zumloh war zwar eine solide Grundlage, reichte aber bei den neuen Anforderungen bei weitem nicht aus. Woher das Geld nehmen, auch die Einnahmen reichten nicht für die Modernisierungen. Darum verkaufte das Kuratorim einen Teil des Grundstücks als Baugrundstücke. Auch vom Josephshof trennte man sich, denn das Krankenhaus hatte keine eigene Küche mehr.  Der ehemalige Pächter Hardensett erwarb den ihm so vertrauten Hof und machte einen schönen Pferdehof daraus. 2001 wurde das erste Gesundheitszentrum gebaut mit Praxen für Fachärzte und einer Krankenhaus-Apotheke. Das Josephs-Hospital arbeitete eng mit der Uni-Klinik zusammen und wurde akademisches Lehrkrankenhaus.


Das Kuratorium 2019 mit dem Kurator Rainer Budde und Doris Kaiser als Stellvertreterin, Peter GGoederler als Rendant Und Dr. Dorsel als ärztlicher Direktor

Ende der 2010er Jahre investierte das Kuratorium 30 Mio. Euro in einen achtstöckigen Anbau mit einer repräsentativen Empfangshalle und mit einem zweiten Gesundheitszentrum. Auch die Geräte wurden auf den modernsten Stand gebracht. Das Josephs-Hospital verfügte nun über 241 Betten und beschäftigte 950 Mitarbeiter. Das war ganz gewiss ein großer Fortschritt. Allerdings zeigte sich jetzt, wie kurzsichtig die Grundstücksverkäufe gewesen waren, denn durch die Ausweitungen ergab sich ein gravierendes Parkplatzproblem, das auch durch Parkraumbewirtschaftung nicht gelöst wurde und zu großem Unmut in der Bevölkerung führte.


Das neue Entree des Joseph-Hospitals

Die Finanzlage wurde immer prekärer, sodass im Dezember 2024 erstmalig ein Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt werden musste. Zähe Verhandlungen begannen um einen neuen Investor, die Franziskus-Stiftung, die Uniklinik und die Alexianer lehnten leider ab und im August 2025 wurde bekannt, dass die AMEOS Gruppe mit Sitz in Zürich, ein Investor für Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, das Josephs-Hospital Warendorf einschließlich aller Tochtergesellschaften übernehmen will. Im Oktober 2025 wurde Ameos neuer Besitzer des Krankenhauses. Nach 182 Jahren endet die Eigenständigkeit des Josephs-Hospitals.

Leider trennte sich der neue Besitzer von dem traditionsträchtigen Namen „Josephs-Hospital“ und seit dem 1. Januar 2026 heißt das Krankenhaus nun „AMEOS Klinikum Warendorf „Joseph Zumloh“. Sehr schade – und nicht einmal der vollständige Name des Gründers Franz Joseph Zumloh wurde übernommen.

Ob der neue Besitzer unserem Krankenhaus Erfolg bringt, wird die Zukunft weisen.


Die großzügige Eingangshalle des Josephs-Hospitals

 

Mechtild Wolff   1. Januar 2025

Quellen:

Gabriele Austermann: Die Entwicklung des Medizinal- und Gesundheitswesens in Warendorf von 1880-1945 in Geschichte der Stadt Warendorf Band III  2000

Dr. Paul Leidinger: Warendorf in alten Ansichten 1977

Alfred Kaup und Rainer A. Krewerth: Warendorf, Bilder einer Stadt 1979

Laurenz Sandmann: Warendorf, wie es früher war  2000

Christoph Ackfeld: Jetzt ist das Josephshospital Geschichte – Artikel in der Tageszeitung „Die Glocke“ vom 31.12.2025 und andere Pressebeiträge

 

 

Franz Joseph Zumloh, Wohltäter in großer Not
von Mechtild Wolff (31. 12. 2025)

Der erste Warendorfer Friedhof außerhalb der Stadtmauern wurde 1810 in der Nähe des Osttors angelegt. Vorher wurden die Toten auf dem „Kirchhof“ begraben, also um die Kirche herum. Als der Friedhof am Osttor zu klein wurde, richtete die Stadt ein größeres Friedhofsgelände an der Breiten Straße ein. Auf dem ehemaligen Friedhof am Osttor entstand der „Zumloh-Park“.

 Im Zentrum des Parks finden wir ein bemerkenswertes Grabmal, einen Obelisken mit folgender Inschrift:

Franz Joseph Zumloh
geboren zu Warendorf am 16. März 1764
starb dortselbst am 7. Mai 1854
Ritter des Kgl .Pr. Roten Adlerordens 3. Kl. m.Schl.
Mildtätiger Stifter des Josephs-Hospital
Durch Frömmigkeit, Güte und Freigebigkeit hat er
sich ein Denkmal errichtet, dauernder als Erz.

Wer war Franz Joseph Zumloh?

Als Sohn eines Textilkaufmanns wuchs an der Oststraße Nr. 4 auf. Auch er wurde ein erfolgreicher Textilverleger und  mehrte das von den Eltern begründete Vermögen. Ja, er wurde wohlhabend. Zumloh blieb aber ein anspruchsloser, bescheidener Mensch, der tief verwurzelt war im christlichen Glauben. Mit seinem Vermögen half er den Armen und Notleidenden, wo er konnte.

Und die Not war groß in jenen Tagen. In vielen Tagelöhner-Familien reichte das Geld nicht für das tägliche Brot. Erdrückend wurde die Not, wenn der Ernährer erkrankte. Der Tagelohn blieb aus, es fehlte an gesunder Nahrung und die Pflege der Kranken war unzureichend. An Geld für den Arzt und für die Arznei war gar nicht zu denken. Krankheit bedeutete damals für die meisten Familien grenzenlose Verelendung.

Franz Joseph Zumloh half, wo er Not und Elend fand. Seine Freigebigkeit und seine Sorge für die leidenden Mitmenschen waren bald allen Bürgern in der Stadt bekannt.


das erste Josephs-Hospital in Warendorf

Um die Not der Schwerkranken zu lindern begründete Franz Joseph Zumloh an der Lüningerstraße ein Hospital, das allen Kranken und Gebrechlichen zur Aufnahme offen stehen sollte. Eine Stiftung von 53 000 Thalern „zur Minderung des kränklichen Zustandes“ sollte das Krankenhaus finanziell absichern.

Bei der feierlichen Einweihung des Hospitals am 16. November 1843 übertrug Zumloh die Verwaltung des Hauses einem Kuratorium. Sein Vetter Franz Zumloh hatte das Kuratorium aus ehrbaren Warendorfer Bürgern zusammengestellt und war der erste Kurator. Die Schlüssel des Krankenhauses überreichte Franz Josef Zumloh zwei Clemensschwestern und übertrug ihnen damit die Sorge für die Kranken. Seinem Stifter zu Ehren wurde das Krankenhaus „Josephs-Hospital“ genannt.

Um ihrem Wohltäter zu danken zogen die Warendorfer Bürger am Abend dieses denkwürdigen Tages in einem prächtigen Fackelzug zu seiner Wohnung an der Oststraße.

Als Zeichen ihrer besonderen Verehrung überreichten sie ihm eine zwölfzackige, aus Silber getriebene Krone. Tief bewegt nahm Franz Joseph Zumloh die Bürgerkrone entgegen.

Im Stirnteil der Krone las er die Inschrift:

„Was Ihr einem dieser meiner geringsten Brüder gethan habt,

das habt Ihr mir gethan“.

Unter dem Stadtwappen fand er die Widmung:

„Dem edlen Bürger. Die dankbare Bürgerschaft“.

 

Eine solche Ehrung war noch nie einem Warendorfer Bürger zuteil geworden.

Auch der Preußische König würdigte Franz Joseph Zumlohs Verdienste durch die Verleihung des Roten Adlerordens. Als König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen 1847 auf der Durchreise in Warendorf Station machte, wurde ihm zu Ehren ein Empfang im Festsaal der „Gesellschaft Harmonie“ gegeben, bei dem der Stifter des Josephs-Hospitals dem König vorgestellt wurde.

1854 starb Franz Joseph Zumloh hochbetagt. Er wurde unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung auf dem Ehrenplatz in der Mitte des Friedhofs am Osttor beigesetzt, dort, wo noch heute der Obelisk an ihn erinnert.

In der Eingangshalle des heutigen Josephs-Hospitals erinnert sein Bild und die dort ausgestellte Bürgerkrone an den Stifter des Krankenhauses und den großen Wohltäter unserer Stadt.

Die Stadt ehrte ihn mit einer Straßenbenennung, mit der „Zumlohstraße“.

 

 

 

 

Bilder : Mechtild Wolff

Bild altes Krankenhaus : Geschichte der Stadt Warendorf

 

 

 

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