„Ketting und Einschlag“ 1950-1963
Werkzeitung der Inlettwebereien H. Brinkhaus Warendorf, Sassenberg, Freckenhorst
von Mechtild Wolff

Es war eine kluge und mutige Entscheidung der Geschäftsleitung der Firma H. Brinkhaus, schon 1950 eine Werkzeitung herauszubringen. „Ketting und Einschlag“ sollte sie heißen und viermal im Jahr erscheinen, im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter.

Die Zahl der Werksangehörigen schnellte in den 1950er Jahren rasant in die Höhe. 1957 war die Schallgrenze von 1000 Betriebsangehörigen überschritten, von denen über die Hälfte nach dem Krieg zu Brinkhaus gekommen waren. Nie hatte es solch eine bunte Zusammensetzung der Werktätigen gegeben! Hunderte von Flüchtlingen und Vertriebenen hatten in der Firma Arbeit gefunden. All diese Werksangehörigen sollten echte Brinkhäusern werden, ihnen sollte die Vergangenheit und die Gegenwart der Firma vertraut gemacht werden. Außerdem sollte „Ketting und Einschlag“ eine Verbindung schaffen zwischen den drei Werken Warendorf, Sassenberg und Freckenhorst.

Es war ein Glücksfall, dass der Historiker Dr. Paul Casser die Redaktion übernahm. Er erstellte eine fortlaufende Chronik der Firma Brinkhaus und schlug gleichzeitig einen Bogen zu den Ereignissen in Warendorf, Westfalen und Deutschland. Der Schwerpunkt der kulturellen Beiträge lag in der Erforschung der für Warendorf sehr bedeutsamen Leinewebervergangenheit und der industriellen, textilen Gegenwart.

Das erste Heft startete mit dem Werden und Wachsen der Firma H. Brinkhaus, angefangen im Gründungsjahr 1847 in Warendorf, dem Bau der neuen Fabrik 1879 an der Ems und den Gründungen der Zweigwerke 1898 in Sassenberg  und 1907 Freckenhorst. Vier Generationen haben für den Aufstieg dieser Werke hart gearbeitet und es war oft schwer genug, die Firma über Notzeiten zu retten. So überlieferte die Werkzeitung ein Bild von der spannenden Geschichte der Firma Brinkhaus. In vielen Artikeln machte die Geschäftsleitung und die Betriebsleitung die technischen und sozialen Neuerungen verständlich, damit jedem Mitarbeiter klar wurde, dass neue Zeiten neue Erkenntnisse bringen und die Firma nur durch moderne Technik und Rationalisierung den Konkurrenzkampf bestehen kann.

Auch die „Brinkhäuser“ trugen mit ihren Berichten über Betriebsfeste, Kinder-feste und Lehrlingsfahrten, über die Werkbücherei und die Betreuung der Kranken und der Familien, aber auch von Urlaubsreisen und besonderen Erlebnissen zum Erfolg der Werkzeitung bei. Die ausländischen Mitarbeiter erzählten von ihrer Heimat und auch die politische Situation unseres Landes wurde thematisiert. Es fehlte nicht an lustigen Ereignissen aus der Werkgemeinschaft, denn Witz und Humor würzen den Alltag.

 
Der Chef Hermann Gustav Brinkhaus Bereitetdie Lehrlinge auf die Prüfung vor 
 
Eine besondere Aufgabe sah „Ketting und Einschlag“ in den Berichten über die Werktätigen. Viele Jahre lang hat Hermann Josef Brinkhaus dafür verantwortlich gezeichnet, dass über Geburtstage, Hochzeiten, Silber- und Goldhochzeiten, Kindtaufen und die Verstorbenen der Werkfamilie ausführlich berichtet wurde. Niemand wurde vergessen, dafür sorgten auch Bruno Reimer und Bernhard Weyer aus der Lohnbuchhaltung.

In ausführlichen Lebensbeschreibungen wurden die Silberjubilare, die 40-jährigen Jubilare und die Goldjubilare vorgestellt und ihre Verdienste gewürdigt. In „Ketting und Einschlag“ erwähnt worden zu werden war wie ein Ritterschlag.

Eine besondere Aufgabe sah die Firma in der Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen. In jeder Ausgabe von „Ketting und Einschlag“ fand sich eine meist

sehr bewegende Erzählung über das Schicksal und die Erlebnisse der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge.

Die Zeitschrift war Mittler zwischen dem Betrieb und den Familien und unterstützte den Betriebsstolz und die Betriebstreue der Belegschaft. Sie war ein echtes Bindeglied aller Brinkhäuser. Ja, die „Brinkhäuser“ waren mit Recht stolz auf ihre Werkzeitschrift „Ketting und Einschlag“ und freuten sich auf jede neue Ausgabe.

 

Feierabend bei Brinkhaus

Mechtild Wolff; Quelle:  „Ketting und Einschlag“ - Werkzeitung der Firma H. Brinkhaus, 1950 -1963

 

 

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